12.04.2010, 10:10 Uhr
Bei der Bundesnetzagentur hat die Zukunft des mobilen Internets begonnen. (Foto: dpa)
Die Zukunft der mobilen Datenübertragung in Deutschland beginnt in Mainz. Dort versteigert die Bundesnetzagentur seit Montag (12.4.) die Nutzungsrechte an neuen Mobilfunkfrequenzen. Diese sind bei Providern heiß begehrt - schließlich ermöglichen sie den Aufbau von LTE-Netzen, dem Mobilfunkstandard von Morgen. Dieser ermöglicht bis zu 130 mal schnellere Datenübertragungen als sein Vorgänger UMTS, der bald an seinen Grenzen in punkto Datenströme stößt.
Die Vorteile der neuen Technologie liegen auf der Hand: Mit Datenübertragung von bis zu einem Gigabit pro Sekunde übertrifft LTE sogar die Geschwindigkeit von DSL-Internetanschlüssen um ein Vielfaches; derzeit sind 52 Megabit das Maximum bei DSL-Privatanschlüssen. In der Praxis soll LTE laut Einschätzungen von Experten Übertragungsraten von bis zu bis 100 Mbit/s bei Downloads und 50 Mbit/s bei Uploads möglich machen. So viel zu den Zahlen. Aber brauchen wir das wirklich? Ja, denn die Datenmenge nimmt derzeit rapide zu und würde irgendwann zu einem Stau im UMTS-Netz führen. Das LTE-Netz hingegen wird selbst hochauflösende Videos in wenigen Sekunden auf das Handy oder Notebook laden. Computerspiele können zukünftig über die Internetverbindung gespielt werden, Videokonferenzen werden damit jederzeit und überall möglich.
Die begehrtesten Frequenzen stammen aus dem Bereich 800 Megahertz. Früher waren sie für das Fernsehen reserviert, seit der Digitalisierung sind die jedoch ungenutzt. "Sie eignen sich aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften besonders gut, um große Flächen zu versorgen", erklärt der Mobilfunkexperte Manfred Breul vom Branchenverband Bitkom. Die Reichweite von LTE beträgt bei einer reduzierten Bandbreite bis zu 100 km. Die vier zum Auktionsverfahren zugelassenen Netzbetreiber T- Mobile, E-Plus, Telefonica O2 und Vodafone sind im Falle des Kaufs verpflichtet, vorrangig das Netz in bisher unversorgten Regionen auszubauen.
Doch auch in Städten ergeben sich für die Provider viele Vorteile: So ist der Wirkungsgrad von LTE-Funkzellen innerhalb von 5 km erheblich höher als bei UMTS oder GSM. Dieser Umstand macht auch die Versorgung von Ballungsgebieten mit Mobilfunk erheblich einfacher als bisher. Die Kunden hingegen dürften sich auch über eine längere Laufzeit ihrer Handys freuen, da LTE auch von Handy-Seite weniger Energie benötigt. Allerdings hat die Sache für Verbraucher auch einen Haken: Die neue Technologie erfordert auch eine neue Generation von Handys, alte Geräte sind nicht kompatibel.
Die Unternehmen trifft dieses Problem in wesentlich geringerem Umfang: Viele Funkmasten müssen für den neuen Standard nur umgerüstet werden. "Mobiles Telefonieren ist heute in den ländlichen Regionen über den GSM- Standard praktisch überall möglich. Viele dieser Standorte können auch für die neue LTE-Technologie und damit für Datendienste genutzt werden", so Breul. Trotz der großen Nachfrage rechnet die Bundesnetzagentur bei der Versteigerung nicht mit schnellen Ergebnissen. Die Auktion könne mehrere Wochen dauern, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, im Deutschlandradio.
Quelle: dpa , AFP , t-online.de
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