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Die fiesen Tricks der Flirt-Betrüger

Erschienen am 03. November 2009
Mit verführerischen SMS lässt sich viel Geld verdienen. (Foto: dpa)
Mit verführerischen SMS lässt sich viel Geld verdienen. (Foto: dpa) Vergrößern
700.000 mögliche Opfer, 46 Millionen Euro Einnahmen - vor dem Kieler Landgericht wird derzeit einer der größten Betrugsfälle in Deutschland verhandelt. Angeklagt sind drei Betreiber von SMS-Chats und deren Helfer, mit weiteren Prozessen wird gerechnet. Wie skrupellos und verachtend die mutmaßlichen Betrüger mit ihren Opfern umgingen, zeigen die Beweisstücke, die die Staatsanwaltschaft am ersten Prozesstag vorlegte. Die beschlagnahmten Arbeitsanweisungen gewähren einen bislang einmaligen Einblick in die fiesen Tricks der Flirt-Betrüger.


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Bewusste Täuschung der Kunden

Um erfolgreich zu sein, muss ein Animateur - so die Anweisungen, die bei Durchsuchungen in Call Centern sichergestellt wurden - die Kunden mit falschen Profilen täuschen. "Ein erfolgreicher Animateur sind wir, wenn wir es schaffen, unseren Kunden eine Illusion zu verkaufen. Das erfordert, dass wir uns mit dem Profil, das der Kunde anschreibt, identifizieren, auf die Wünsche des Kunden eingehen, und ihn davon überzeugen, dass wir (das Produkt seiner Begierde) auch den Preis der SMS wert sind."

Der Angeklagte Heiko A. im Kieler Landgericht. (Foto: dpa)
Der Angeklagte Heiko A. im Kieler Landgericht. (Foto: dpa) Vergrößern

"Sie werden antworten - bis zu ihrem Ruin"

Kunden werden dazu schamlos klassifiziert: Von "Typ 1 - Teenager - 13 bis Anfang 20 Jahre" bis "Typ 8 - Stammkunde". Ideales Opfer, so die Autoren, ist Typ 3: "Diesen Kunden kann man fast alles schreiben und - sie werden antworten - bis zu ihrem Ruin". Dieser Typ sei "der Minderbemittelte - Anfang 20 bis ca. 60 Jahre - alles, was auf anderem Wege keinen Partner finden würde - geistig Zurückgebliebene - Jungfrauen - körperlich Behinderte - finanziell gescheiterte Existenzen - Legastheniker - hässlich und zu dick - mit zu wenig Selbstbewusstsein." Die erste SMS sei "manchmal schwer zu lesen aufgrund schlechter Rechtschreibfähigkeiten, aber "sie sind sehr schreibfreudig und pflegeleicht, wenn man Verständnis zeigt".


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Diese Frau ist mit Sicherheit "echt". (Foto: dpa)
Diese Frau ist mit Sicherheit "echt". (Foto: dpa) Vergrößern

"Fremdgänger" und "Sexkunden" erfordern Fingerspitzengefühl

Lohnendes Opfer auch der "Typ 4 - Der Suchende - Mitte 30 bis über 60 Jahre". Wenn "wir gut mit ihm umgehen, wird er uns lange erhalten bleiben", vielleicht sogar "zum Stammkunden". Für Typ 5, "Fremdgänger" und Typ 6, "Sexkunde" sei "Fingerspitzengefühl" nötig, um sie im Chat zu halten. Typ 7, "der Skeptiker", sei überzeugt, dass es sich um Geldschneiderei handele und die Chatpartner "nicht real" seien. Dennoch sei er "mit ein bisschen Geschick" vom Gegenteil zu überzeugen - "je skeptischer, desto leichter". Typ 1 und Typ 2 "Der Geizige - Mitte 20 bis Mitte 30 Jahre" seien dagegen "so gut wie aussichtslos" - Typ 1 sei oft zu jung, Typ 2 "sucht ein schnelles Date", will aber kein Geld ausgeben und gleich die private Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Genau dies aber sollen die Animateure mit allen Tricks und Ausflüchten verhindern.


Hauptsache der Chat läuft weiter

Dass Betreiber um ihr möglicherweise illegales Tun wissen, zeigen Hinweise wie dieser: "Wir befinden uns hier in einer Grauzone und können für einige Äußerungen gerichtlich belangt werden." Deshalb dürfe etwa auf Kundenbeschwerden über den teuren Chat nicht geschrieben werden: "Wir zahlen auch 2 Euro für eine SMS", sondern: "Wir zahlen auch für jede SMS". Ziel: den Kunden im Unklaren und den Chat am Laufen zu halten.


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Quelle: t-online.de, dpa-AFX
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