17.04.2008, 11:23 Uhr | FWA
Weiß der SMS-Guru tatsächlich die Antworten auf unsere Fragen? (Foto: imago)Das Leben steckt voller Fragen. Diese Situation kennen Sie doch bestimmt auch: Sie sind unterwegs, vielleicht im Gespräch mit Freunden - und plötzlich steht eine Frage im Raum, auf die keiner eine Antwort weiß. Wie hieß noch gleich der Schauspieler in dem Film, wo der Dings auch mitgespielt hat? Der Film, wo am Ende.... na, wie war das gleich noch mal? Ein SMS-Anbieter verspricht für solche Fälle nun schnelle Hilfe: Der so genannte SMS-Guru gibt an, jede Frage, die ihm gestellt wird, in weniger als fünf Minuten beantworten zu können. Er nimmt dafür 1,99 Euro pro Antwort - kein ganz unerheblicher Preis. Wir wollten wissen, ob der SMS-Guru tatsächlich in allen Lebenslagen weiterhelfen kann und haben den Service getestet.
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Was also fragt man nun den berüchtigten SMS-Guru? Fangen wir mit etwas Einfachem an? Ach was! "Fordere uns heraus", heißt es vollmundig auf der Homepage des Anbieters. Nun denn: "Sollte man mit Stammzellen forschen?" lautet um 11.23 Uhr unsere erste Frage. Wir warten. Fünf Minuten soll es maximal dauern, bis die Antwort da ist. Doch was passiert nach fünf Minuten? Nichts. Auch nach zehn Minuten hat der SMS-Guru sich nicht gemeldet. Na gut, vielleicht war das für den Anfang zu schwierig. Versuchen wir es mit etwas Einfacherem. "Woher kenne ich Elizabeth Mitchell aus "Boston Legal"? Es muss eine Serie sein, aber ich komme nicht drauf", schreiben wir um 11:37 Uhr. Dieses Mal reagiert der Guru sofort: Um 11:40 Uhr antwortet er: "Elizabeth Mitchell hatte auch Rollen in Emergency Room (2001), Dr. House (2004) und Lost (seit 2006). Demnach ist Elizabeth omnipräsent im TV." Hut ab, SMS-Guru! Alles richtig!
Ein kritischer Blick schadet nicht bei den Antworten des SMS-Gurus. (Foto: imago)Na gut, profane Wissensabfragen hat der SMS-Guru also drauf. Aber kann er uns auch bei den schwierigen Fragen des Alltags helfen? "Soll ich den blauen oder den rosa Kaugummi kaufen", will eine Kollegin wissen. Um 11.55 Uhr schicken wir die SMS, drei Minuten später ist die Antwort da: "Wenn du ein Junge bist blau, wenn du ein Mädchen bist rosa. Wenn der blaue die Zunge färbt, dann auch blau. Der SMS Guru ist blau, also am besten blau!" Die Kollegin ist definitiv ein Mädchen. Aber egal, letztlich soll sie so oder so den blauen nehmen. Weil der SMS-Guru blau sei. Ist er das? Auf der Homepage ist zwar viel blau zu sehen, aber der Guru selbst ist nicht abgebildet. Ist er also blau? Oder ist er gar betrunken?
Konkrete und vor allem eindeutige Entscheidungshilfe im Alltag ist also vom SMS-Guru nicht zu erwarten. Aber vielleicht hat er ja jetzt eine Antwort auf unsere erste Frage. "Neuer Anlauf: Sollte man mit Stammzellen forschen", fragen wir ihn um 12:01 Uhr. Wir warten fünf Minuten, wir warten zehn Minuten, wir warten zwanzig Minuten - nichts. Kein "Sorry, weiß ich nicht", kein "Das sprengt den Rahmen einer SMS". So langsam sind wir enttäuscht. Kann der SMS-Guru also nichts außer Googeln und Rumblödeln? Das können wir selbst, dafür brauchen wir keinen SMS-Guru. Wir konfrontieren ihn schonungslos mit unserer Enttäuschung: "Warum Geld bezahlen und den SMS-Guru fragen, wenn ich auch schnell per Handy googeln kann", fragen wir ihn trotzig um 12:21 Uhr. Die Antwort lässt an werbewirksamer Schlagfertigkeit nichts zu wünschen übrig: "Komfortabel, unterhaltsam, Antworten die per Google nicht direkt recherchierbar sind, 90 % unsere Gurus fallen beim Aufnahmetest durch: Qualität statt Quantität", gibt der Guru um 12:24 Uhr bekannt.
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Wer sich selbst so sehr lobt, indem er Qualität über Quantität hebt, der muss aber doch auch eine Antwort auf wirklich wichtige schwierige ethische Fragen des Lebens haben. Am Nachmittag wagen wir den dritten Anlauf mit unserer Stammzellen-Frage. "Sollten Fortscher mit Stammzellen arbeiten dürfen", fragen wir in leicht variierter Formulierung um 15:08 Uhr. Wieder ist nach fünf Minuten keine Antwort da. Auch nach zehn, zwanzig und dreißig Minuten reagiert der Guru nicht. Wir wollen gerade aufgeben, da klingelt das Handy doch noch. Nach einer deutlich zu langen Bedenkzeit von 31 Minuten antwortet er um 15:39 Uhr: "Deutsche Forscher dürfen nur mit Zelllinien arbeiten, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland hergestellt wurden. Für die Heilung sollte es möglich sein." Der erste Teil der Antwort geht zum einen an unserer Frage vorbei und ist zum anderen nicht ganz richtig: Vor wenigen Tagen beschloss der Bundestag, den Stichtag vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 zu verlegen. Der zweite Teil der Antwort fällt zwar eindeutig aus, erscheint aber angesichts des Fehlers im ersten Satz nicht gerade als kompetente Entscheidungshilfe. Hand aufs Herz: So spaßig es auch sein mag, den SMS-Guru mit Wissensfragen oder Entscheidungsfragen des Alltags zu testen - kompliziertere Themen wie die Stammzellforschung sollte man besser an anderer Stelle diskutieren.
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