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Handy-Sucht: Die Droge Mobiltelefon

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Die Droge Handy

21.01.2008, 12:18 Uhr | T-Online

Foto:ArchivFoto:ArchivHalbwüchsige mit laut aufgedrehter Musik im Bus, laut telefonierende Gäste im Restaurant oder klingelnde Mobiltelefone im Kino - wann haben Sie das letzte Mal über Handys geflucht? Doch wie bei Zigaretten gilt auch bei unseren kleinen ständigen Begleitern: Des einen Freud, des anderen Leid. Und alles was Freude bereitet, kann bei manchen Menschen zu Abhängigkeit führen. Das geht damit los, dass man ständig auf sein Display schielt aus Angst, man könnte etwas verpassen. Wenn man einen wichtigen Anruf erwartet ok, aber wenn es zur Gewohntheit wird, dann sollten Sie möglicherweise etwas kürzer treten. Denn was den Suchtfaktor angeht, haben es Handys wahrlich in sich. Italien war das erste Land, das darauf reagiert hat. Dort steht die Handy-Sucht mittlerweile auf einer Stufe mit der Abhängigkeit von Glücksspiel. Doch weitaus größere Probleme auf diesem Gebiet hat - wie sollte es anders sein - Japan.


Über zwei Stunden Handy pro Tag


Immerhin besitzt bereits ein Drittel der Grundschüler im Land des Lächelns ein eigenes Handy. In den weiterführenden Schulen sind es bereits 96 % der Jugendlichen. Dazu kommt, dass im fernen Osten Handys nicht nur zum Telefonieren und SMS-Schreiben benutzt werden. Die japanischen Kids nutzen die volle Bandbreite der Funktionen, inklusive Bücher lesen, Musik hören, Surfen oder Spielen. Kein Wunder, dass ein durchschnittlicher japanischer Junge auf 92 Minuten Handy-Konsum am Tag kommt, bei Mädchen sind es sogar 124 Minuten. Diese Zahlen hat jetzt eine Umfrage der japanischen Regierung ergeben, die jetzt von AFP veröffentlicht wurde. Dass so viel Zeit mit dem Handy nicht ohne Folgen bleibt, scheint da nur logisch.

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Mobbing per SMS


Dennoch sind die Folgen erschreckend. AFP berichtet von Jugendlichen, die nur über SMS miteinander kommunizieren - obwohl sie sich jeden Tag in der Schule sehen. "Es gibt Leute, mit denen ich nicht spreche, selbst wenn ich sie in der Schule sehe. Wir tauschen nur eMails aus. Ich schätze, uns verbindet nur ein Apparat" sagt beispielsweise die 18-jährige Tomomi. Der Pädagogikprofessor Tetsuro Saito geht daher davon aus, dass die Jugendlichen sich sicherer fühlen, wenn sie nicht mit einem menschlichen Gegenüber kommunizieren müssten. Das Handy dient also vielen Jugendlichen als Krücke für menschlichen Kontakt. Das geht sogar so weit, dass Mobiltelefone als Mittel für Lästereien und Mobbing herhalten müssen. Anonym abgeschickte SMS mit Drohungen oder Beleidigungen sind oft effektiver als direkte Beschimpfungen - der Täter muss seinem Opfer nicht einmal ins Gesicht sehen.

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Eltern und Politik in der Verantwortung


Doch sind die Verhältnisse im Land des Lächelns auch auf Deutschland übertragbar? Sicherlich gibt es eine Menge kultureller Unterschiede - vor allem, was die Nutzung der Handys angeht. Doch auch hierzulande werden Handys in Kinderhand oft zu Folterinstrumenten. Mit Ihnen werden Prügeleien gefilmt und untereinander getauscht - oft eine zusätzliche Demütigung für das Opfer. Und auch in Deutschland steigt die durchschnittliche Handy-Nutzung weiter an. Gut möglich also, dass wir in Japan das sehen können, was uns hier erst in ein paar Jahren blüht. Zeit genug für Politik aber vor allem auch für Eltern, um zu reagieren.

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