16.02.2011, 08:55 Uhr | Sascha Plischke
Vorsicht vor Null-Euro-Angeboten: Die Schnäppchen ziehen oft horrende Kosten nach sich. (Montage: t-online.de)
Eine aktuelle Spielkonsole, ein brandneues Smartphone, eine Menge Zubehör, und das Ganze für nur Null Euro – diese Angebote kennt jeder, der schon einmal spätabends durch die Fernsehsender gezappt hat. Doch wie können sich Anbieter wie Getmobile.de oder handyshop-24.com solche Offerten überhaupt leisten? Der Teufel steckt wie immer im Detail, oder wie in diesem Fall in den Bedingungen des mit dem Kauf abzuschließenden Handy-Vertrags – denn der kann am Ende für den Verbraucher richtig teuer werden.
Das Werbefernsehen bombardiert die Zuschauer mit diesen scheinbar unschlagbaren Technik-Bundles, zumeist in der Nacht und auf den hinteren Sendeplätzen. Beim Vorbeizappen bleibt jeweils nur die Dreingabe beim Zuschauer hängen, die Playstation 3 oder das angeblich topaktuelle Notebook, daneben der Preis: 0 Euro. Natürlich hat die Sache einen Haken. Zu den Technik-Bundles gehören fast immer zwei Handys, und zu jedem muss der Käufer einen eigenen Vertrag abschließen. Dabei handelt es sich zwar um ganz normale Tarife der großen Telefon-Anbieter, ihre Konditionen sind jedoch im Vergleich zu anderen Tarifen durchaus kostspielig. So liegen die Minutenpreise dieser Tarife im Schnitt deutlich über denen marktüblicher Vergleichsangebote. Zudem setzen die Verträge einen Mindestumsatz voraus und verlangen nicht selten eine Grundgebühr.
Diese Kosten sind nicht versteckt. Die meisten Verbraucher lassen sich jedoch von den vermeintlichen Schnäppchen blenden und vergessen das Nachrechnen. Wir haben uns die Sache genauer angesehen und in einem Rechenbeispiel vergleichbare Bundles zweier Anbieter mit den Kosten verglichen, die ein Einzelkauf der Geräte in Kombination mit zwei Prepaid-Tarifen verursachen würden. Das Bundle beinhaltet das Notebook HP 625, zwei Handys vom Typ Samsung S5230 und zwei Handy-Verträge. Fazit: Die Angebote von Getmobile.de und handyshop-24.de erwiesen sich dabei als deutlich teurer, am Ende zahlt der Verbraucher hier bis zum Doppelten des Alternativpreises.
Beide Unternehmen bieten bei ihren Verträgen Zusatzoptionen an. Dazu gehört die Möglichkeit, günstiger zwischen den beiden Handys zu telefonieren, einen Dienst zur Rechnungsüberprüfung, ein Multimediapack mit Klingelton-Downloads sowie einer Internetflatrate. Diese Dienste sind bei der Bestellung als Gratistest automatisch angewählt. Deaktiviert der Käufer diese Optionen nicht ausdrücklich bei der Bestellung oder vergisst sie, nach der einmonatigen Testphase zu kündigen, können auf ihn Zusatzkosten von bis zu zwanzig Euro im Monat zukommen. Getmobile bietet außerdem eine Geräteversicherung an, die ebenfalls vier Wochen kostenlos ist und danach monatlich knapp fünf Euro kosten soll.
Für die Unternehmen lohnt sich das Geschäft. Sie erhalten als Reseller eine Provision von den Mobilfunkanbietern. Diese Provisionen richten sich zum Beispiel nach der Zahl der vermittelten Tarife oder der Höhe der festen Einnahmen aus diesem Vertrag. Unter dem Strich machen die Anbieter dabei auch bei den hochwertigen Dreingaben noch Profit. Für den Kunden lohnt sich der Deal nur unter ganz bestimmten Umständen.
Verbraucher sollten sich also von den scheinbar günstigen Angeboten nicht blenden lassen, sondern die Verträge vor einem Abschluss gründlich prüfen. Das rät auch Ute Bitter von der Verbraucherzentrale Hessen: "Wichtig ist der Mobilfunkvertrag und ob er zum eigenen Telefonverhalten passt. Mancher telefoniert viel, andere schreiben oft SMS, und der Vertrag sollte für dieses Verhalten den günstigsten Tarif bieten." Zudem sind insbesondere die angepriesenen Notebooks und Handys oft nicht mehr aktuell. Es handelt sich um solide Technik, mehr aber auch nicht. Bei teureren Geräten wie etwa aktuellen Spielkonsolen legen die Unternehmen hingegen zum Ausgleich sehr günstige Mobiltelefone bei. Wer in Betracht zieht, ein solches Bundle zu bestellen, sollte sich vorher sehr genau über die Kosten und Zugaben informieren. Nur so lassen sich böse Überraschungen vermeiden.
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