07.07.2010, 11:27 Uhr | t-online.de
Nach nur sechs Monaten hat Google sein Engagement als Handy-Anbieter beerdigt. Das gab Unternehmensschef Eric Schmidt in einem Interview mit der britischen Zeitung "Telegraph" bekannt. Der Suchmaschinenriese wolle keinen Nachfolger für das Nexus One entwickeln. Das Google-Handy war erst im Januar auf den Markt gekommen, um Apples iPhone mächtig Marktanteile abzuzwacken - ähnlich den ebenfalls gefloppten "Kin"-Handys von Microsoft. Doch das Nexus One verkaufte sich von Anfang an nur schleppend. Im Zeitungsinterview machte Schmidt jedoch ganz andere Gründe für die Entscheidung geltend.
Schmidt erklärte im "Telegraph", Google habe das Nexus One nur auf den Markt gebracht, um das Geschäft mit mobilen Geräten anzutreiben, die mit dem hauseigenen Betriebssystem Android laufen. Dieser Plan habe so gut funktioniert, dass kein Nachfolger für das Nexus One nötig sei, so Schmidt.
Angesichts der Verkaufszahlen des Google Nexus One scheint das wohl nicht der einzige Grund für Googles Rückzug als Handy-Hersteller zu sein. Erst im März ermittelten Analysten des US-Marktforschungsunternehmens Flurry, dass der Suchmaschinenriese in den ersten 74 Tagen lediglich 135.000 Geräte abgesetzt hatte. Zum Vergleich: Das iPhone der ersten Generation verkaufte sich im gleichen Zeitraum eine Million Mal. Und beim iPhone 4 gab es allein in Deutschland 600.000 Vorbestellungen an einem Tag.
Ein Grund für den schleppenden Verkauf des Nexus One könnte der schlechte Kundenservice zum Marktstart gewesen sein. Bereits kurz nach dem US-Verkaufsstart hagelte es zahlreiche Kundenbeschwerden wegen Empfangsproblemen. Google bot ausschließlich Hilfe per E-Mail an, der Online-Support war mit den zahlreichen Beschwerden jedoch überfordert. Die Folge: Die Betroffenen fühlten sich alleingelassen und machten ihrem Ärger in Online-Foren Luft. Für ein Gerät, das ausschließlich im Internet verkauft wurde, war solche Kritik freilich wenig verkaufsfördernd. Experten hatten bereits im Vorfeld gewarnt, dass Google auf seine Rolle als Hardware-Anbieter nur schlecht vorbereitet sei.
Das vom taiwanischen Smartphone-Spezialisten HTC gebaute Nexus One bot zahlreiche innovative Funktionen wie etwa eine Software zur Spracherkennung oder ein zweites Mikrophon zur Verbesserung der Sprachqualität. Dementsprechend schnitt das Handy in vielen Tests relativ gut ab. Viele Kunden entschieden sich jedoch für das baugleiche HTC Desire, das in vielen Ländern deutlich vor dem Nexus One auf den Markt kam. Nach dem Ende als Handy-Anbieter will sich Google in Zukunft ganz auf die Weiterentwicklung seines Handy-Betriebssystems Android konzentrieren.
Ein schwacher Trost für Google: Auch Konkurrent Microsoft stellte sein Engagement als Handy-Anbieter ein. Der Softwarekonzern warf bereits 48 Tage nach dem Verkaufsstart seiner auf Jugendliche ausgerichteten und für soziale Netzwerke optimierten Kin-Handys das Handtuch. Gerüchten zufolge sollen insgesamt gerade einmal 500 der von Sharp gefertigten Smartphones verkauft worden sein, so das US-Magazin Business Insider. Ebenso wie Google will sich auch Microsoft künftig auf die Entwicklung von Betriebssystemen für Handys konzentrieren.
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Quelle: t-online.de
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