Das Nokia 7110 war das erste WAP-fähige Handy auf dem deutschen Markt. (Foto: imago)Heute kann man darüber nur lächeln, doch auf der CeBit im März 1999 war das Nokia 7110 eine echte Sensation. Hauptgrund dafür war wohl der neuartige Schiebemechanismus - berühmt geworden durch den Kultstreifen "Matrix". Doch das Nokia-Handy hatte durchaus noch andere Vorzüge: Es war das erste Mobiltelefon mit WAP-Technologie. In Zeiten des Dotcom-Booms schien diese Übertragungstechnologie der logische nächste Schritt auf dem Web zur vernetzten Gesellschaft. Doch die Technik war einige Jahre zu früh dran. Erst jetzt schwingt sich das mobile Internet langsam zu echter Größe auf - dank schneller Übertragungsstandards und komfortabler Touchscreenhandys. Hat die gute alte WAP-Technologie also ausgedient?
Immer informiert sein - dank WAP auch mit dem Handy. (Foto: imago)
Bessere Bedienung im WAP
Nicht ganz, möchte man sagen. Denn WAP-Portale haben gegenüber herkömmlichen Webseiten einen entscheidenden Vorteil: Sie sind speziell auf Handys zugeschnitten. Wer über kein supermodernes Smartphone mit Touchscreen oder Trackball verfügt, wird sich schnell mit der übersichtlichen Linkstruktur anfreunden. Mit wenigen Klicks kann man sich hier eine Übersicht über die aktuelle Nachrichtenlage verschaffen. Das gleiche gilt auch für die Artikel: Diese liegen entweder in einer gekürzten Fassung vor oder sind auf mehrere Seiten verteilt, um auf den kleinen Displays lesbar dargestellt zu werden. Nicht nur ältere Handys tun sich oft schwer mit der Darstellung längerer Texte von herkömmlichen Webseiten. Hier ist das Lesen oft mit lästigem Scrollen verbunden.
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Auf alten Handys kommen WAP-Portale ganz ohne Bilder aus. (Foto: imago)
Günstiger und schneller
Ein weiterer Vorteil von WAP-Seiten gegenüber dem herkömmlichen Internet ist die geringere Datenmenge. Die kann bei Nachrichtenseiten ganz schön ausufern - dank großer Fotos und aufwendiger Werbebanner. WAP-Seiten dagegen sind hier wesentlich sparsamer. Fotos werden meist zunächst in einer verkleinerten Ansicht angezeigt und können auf Wunsch vergrößert werden. Auch die Werbung ist vom Datenaufkommen her deutlich reduziert. Die Folge ist zum einen eine höhere Geschwindigkeit zum Laden der Seiten. Zum anderen ist das Aufrufen von WAP-Seiten dadurch auch günstiger als das von herkömmlichen Webseiten. Seit der Einführung von WAP 2.0 wird nämlich bei den meisten Providern nach der Datenmenge - und nicht mehr nach der Anzahl der aufgerufenen Seiten abgerechnet.
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Auf den neuesten Handys ist WAP überflüssig. (Foto: Apple)
Wie geht es weiter?
Ob die WAP-Technologie den Höhenflug erlebt, der ihr 1999 vorhergesagt worden ist, darf bezweifelt werden. Umfragen zufolgen nutzen derzeit etwa 8 Prozent aller Handynutzer WAP-Angebote - gegenüber 16 Prozent, die das mobile Internet nutzen. Doch nutzlos ist die Technologie noch lange nicht. Vor allem, wer ohne Datenflatrate und ohne modernem Smartphone unterwegs ist, hat hier eine echte Alternative zum "richtigen" Internet. Ob es in 10 Jahren immer noch WAP-Seiten gibt darf allerdings bezweifelt werden. Falls doch wäre es jedenfalls nicht das erste Mal, dass die Entwicklung des mobilen Internets anders verläuft, als gedacht.